Ei-Einlaufsuppe – traditionelle Vorsuppe aus Oberschlesien

IMG_1188Die Familie meiner Mutter stammt mehrheitlich aus dem Erzgebirge, dem “Kartoffelesserland”, diejenige meines Vaters hingegen aus Oberschlesien. Mit ihr kam eine etwas abwechslungsreichere, andere Küche in unsere Familie, die meine Mutter sowohl aus Interesse als auch einer gewissen Notwendigkeit heraus übernommen hat. Am Sonntag, so die oberschlesische Tradition, auf die mein Vater in den frühen Ehejahren noch großen Wert legte, musste nämlich ein ordentliches Drei-Gang-Menü auf dem Tisch stehen. Ein Bestandteil dieses Festessens war diese Ei-Einlaufsuppe, gefolgt von einem Fleischessen mit Rot- oder Sauerkraut und zumindest im Winter Klößen und einem Nachtisch. Wir sprechen jetzt mal nicht davon, was das für meine Vollzeit arbeitende Mutter für sonntagvormittäglichen Stress bedeutete, wenn gleichzeitig die Kinder um sie herumtanzten, ein Kuchen für den Nachmittag gebacken, die Wäsche gewaschen und die Wohnung besuchsfein aufgeräumt und geputzt sein sollte.

Genug von den Hausgeschichten, jetzt geht es zum Rezept, von dem ich nicht sicher weiß, ob es nur in unserer Familie den treffenden Namen Ei-Einlaufsuppe hat oder auch offiziell so heißt. Die Vorsuppe besteht traditionell aus einer ordentlichen selbst gekochten Fleischbrühe, Petersilie und eben dem Ei-Einlauf. Ziemlich minimalistisch und unglaublich wohlschmeckend.

Ei-Einlaufsuppe für 6 Personen als Vorsuppe oder 3 Personen als Hauptsuppe

Zutaten:

  • 750 ml selbst gekochte Fleischbrühe, bei uns auch Knochenbrühe genannt
  • 2 Eier (Größe M)
  • ca. 4,5 leicht gehäufte EL Mehl
  • etwas Salz
  • etwas Pfeffer
  • frische Petersilie, gehackt
  • evtl. einige TK-Erbsen und / oder frische Möhrenwürfel (traditionell gehören die allerdings nicht in die Suppe)

Zubereitung:

Die Fleischbrühe im Suppentopf zum Kochen bringen. Je nachdem wie gut man beim Kochen der Knochenbrühe gewürzt hat, sollte man jetzt ggf. noch etwas Salz und Pfeffer ergänzen.

Möchte man in der Suppe einige Erbsen oder Möhrenstückchen haben, fügt man diese gleich hinzu und lässt alles für wenige Minuten köcheln, bis das Gemüse gar ist (Erbsen ca. 3 Minuten, Möhren ggf. bis zu 10 Minuten, je nach Größe der Würfel).

Währenddessen die Eier mit dem Mehl in einem Becher klümpchenfrei verquirlen und mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken. Es sollte eine zähflüssige Masse entstehen, die schwer vom Quirl tropft.

Die Eimasse nun über den Quirl aus dem Becher in die kochend heiße Suppe tropfen lassen. Dazu den Quirl während des Tropfens regelmäßig drehen. Es sollen relativ lange, fast nudelförmige, dicke Fäden entstehen.

Die Suppe erneut bis kurz unter den Kochpunkt erhitzen und ca. 5 Minuten abgedeckt ziehen lassen. NICHT nochmals Aufkochen, sonst zerfasern die Ei-Einlauffäden.

Danach mit etwas gehackter Petersilie bestreuen und sofort heiß servieren.

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2 thoughts on “Ei-Einlaufsuppe – traditionelle Vorsuppe aus Oberschlesien

    1. Konstanze Post author

      Aha, Eintropfsuppe! Da ist also doch etwas dran an dem, dass meine Oma immer sagte, in Schlesien hätte man viel mit der österreichisch-ungarischen Küche gemeinsam.

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