Sächsische Quarkkeulchen oder Quarkkäulchen?

IMG_0813Oh, oh, seit heute bin ich uneins mit dem Duden, dem allmächtigen Herrscher über die deutsche Rechtschreibung. Der sagt nämlich, dass das Keulchen eigentlich “Käulchen” geschrieben werden muss, weil es von “Kaule” kommt. Na toll, aber nicht hier im Erzgebirge, da wird es Keulchen geschrieben, mit “e”, basta.

Das ist genau so sicher wie, dass Quarkkeulchen hier früher im “Armeleuteland” nicht als Nachspeise wie im gutbürgerlichen Dresden, sondern als Hauptgericht verspeist worden sind. Wer hatte schließlich schon genug Zutaten für so einen Luxus wie ein Dessert? Stattdessen musste man versuchen, aus den wenigen, allgemein verfügbaren Zutaten wie Kartoffeln, Mehl, Quark, Öl, etwas Zucker und ein bisschen Salz, immer neue Zusammensetzungen für den Mittagstisch zu finden, damit es nicht gar zu langweilig wurde. So stelle ich mir als Nichthistoriker zumindest vor, wie man auf die unzähligen Varianten von Kartoffeln mit … (irgendetwas) gekommen ist.

Die Quarkkeulchen sind eine dieser Variationen, eine besonders leckere und auch heute noch beliebte. Da sie in unserer Familie jedoch keine ausgeprägte Tradition hatten und meine Oma immer nach Gefühl und nicht nach Rezept kochte, habe ich heute auf ein altes Rezept aus dem “Ratgeber für Herd und Haus” von Bertha Dißmann zurückgegriffen. Das Kochbuch, das aus den 1930er Jahren stammt, haben wir glücklicherweise von meiner Oma geerbt.

Da wir heute, gemessen an den damaligen Verhältnissen, in wahrem Luxus leben und Zugang zu allen möglichen Rohwaren haben, bin ich hinsichtlich der zugesetzten Zitronenschalenmenge vom Originalrezept abgewichen. Ich habe sie erhöht, was den Keulchen etwas mehr Aroma verleiht.

Insgesamt sind die Keulchen nicht allzu süß, wer also den Fertigproduktgeschmack erwartet, sollte sich darauf gefasst machen, dass man bei diesem Rezept nicht nur Zucker, sondern auch die anderen Zutaten zu schmecken bekommt :-). Der Teig ist übrigens einfach zu handhaben, auch beim Braten, so dass ich nur jeden ermutigen kann, die Quarkkeulchen selbst herzustellen.

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Sächsische Quarkkeulchen für 3 Personen (14 – 15 Stück)

Zutaten:

  • 750 g mehlig kochende Kartoffeln (roh und mit Schale gewogen)
  • 375 g Quark (20 % Fett oder Magerstufe)
  • 90 g Mehl
  • 45 g Zucker
  • 8 g Salz
  • 1 kleines Ei
  • abgeriebene Schale von 1/2 Bio-Zitrone
  • 55 g Korinthen
  • 25 g Semmelbrösel
  • reichlich Öl oder Öl und Butter zum Braten
  • Zucker oder Zimt und Zucker zum Bestreuen
  • Apfelmus, am liebsten selbst hergestelltes, als Beilage

Zubereitung:

Die Kartoffeln in der Schale für ca. 25 Minuten kochen, bis sie gar sind. Abhängig von der Größe der Kartoffeln kann die Kochzeit abweichen.

Die Korinthen für mind. 30 Minuten in Wasser einweichen.

Die Kartoffeln noch warm schälen und mit einer Kartoffelpresse durchquetschen. Wer keine besitzt, kann die Kartoffeln auch reiben.

Die Bio-Zitrone gut waschen und die Schale dünn mit einem Zestenreißer abschälen. Achtung, nur das Gelbe der Schale darf verwendet werden, sonst schmeckt alles bitter.

Für den Teig nun die Kartoffeln mit Quark, Mehl, Salz, Zucker, Ei, Zitronenschale und Korinthen (ohne Einweichwasser) vermischen und von Hand zusammenkneten. Dabei entsteht ein homogener Teig, der sich gut formen lässt.

Den Teig mit leicht befeuchteten Händen zuerst zu Kugeln formen, die dann mithilfe der Semmelbrösel flach gedrückt werden. Dabei aufpassen, dass keine Risse entstehen. Die Keulchen sollten ungefähr handtellergroß werden.

Öl oder ein Öl-Buttergemisch in einer Pfanne erhitzen. Die Keulchen darin von beiden Seiten braun braten. Das dauert bei mittlerer Hitze (an unserem Herd Stufe 7 von 9) ca. 3 Minuten je Seite. Die fertig gebratenen Keulchen zum Warmhalten in den auf 80 °C vorgeheizten Herd stellen.

Die Quarkkeulchen mit Zucker oder Zimt und Zucker bestreuen und warm mit Apfelmus genießen.

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