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Cremige Möhrensuppe mit gebratenem Kabeljau und knusprigem Bacon

IMG_0461Man kann nie genug (Fisch-)Suppenrezepte auf dem blog haben, finde ich. Sie sind schnell zubereitet, enthalten eine ordentliche Portion Gemüse und wie in diesem Fall auch noch Fisch. So mag ich die Alltagsküche: gesund, lecker, gut sättigend, wenig Abwasch und ohne kostspielige Zutaten.

Zu dieser schönen Montagssuppe habe ich mich von Godfisk.no inspirieren lassen und sie mit kleinen Änderungen nachgekocht. Es hat sich gelohnt.

Cremige Möhrensuppe mit gebratenem Kabeljau und knusprigem Bacon für 3 Personen

Zutaten:

  • 500 g Kabeljau-Filets
  • 1,5 gestrichene EL grobes Meersalz
  • Olivenöl zum Braten
  • ca. 50 g American Bacon
  • 6 große Möhren
  • 1/3 kleine Fenchelknolle
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1/2 rote Chilischote
  • ca. 2 EL frischer, gehackter Ingwer
  • etwas Olivenöl
  • 8 dl Gemüsebrühe
  • Salz
  • Pfeffer
  • 2 Pr. Zucker
  • Cayennepfeffer
  • Saft von ca. 1/2 Limette

Zubereitung Suppe:

Möhren, Zwiebel, Knoblauchzehe und Ingwer schälen und in Scheiben bzw. Stückchen schneiden. Fenchel waschen, putzen und in dünne Scheiben schneiden. Das Fenchelgrün ebenfalls klein schneiden und zunächst zur Seite stellen. Die Chilischote entkernen und fein hacken.

Etwas Olivenöl in einem Topf erhitzen und darin die Zwiebel anbraten, bis die Stückchen leicht gebräunt sind. Danach das restliche Gemüse hinzufügen und alles für weitere ca. 3 Minuten mitbraten lassen.

Die Gemüsebrühe angießen und alles abgedeckt für 20 Minuten köcheln lassen, bis das Gemüse weich geworden ist.

Mit einer Schaumkelle einige Gemüsestücke aus der Suppe angeln, danach alles andere pürieren. Mit Salz, Pfeffer, Zucker, Cayennepfeffer und Limettensaft abschmecken.

Zubereitung Kabeljau und Bacon:

Den Bacon in Stücke schneiden und in einer heißen Pfanne ohne weitere Zugabe von Fettigkeit knusprig braun braten. Die fertigen Stücke auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Die aufgetauten Kabeljaufilets von beiden Seiten mit dem groben Meersalz bestreuen und für ca. 10 Minuten ziehen lassen. Die Filets nun gut unter fließendem kalten Wasser abspülen, danach gut mit Küchenpapier abtrocknen. Das Einsalzen gibt Geschmack und dem Fischfleisch etwas mehr Festigkeit.

Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Filets mit der Hautseite nach unten (auch wenn keine Haut mehr vorhanden ist) für 4 – 5 Minuten anbraten. Danach wenden und für weitere 2 – 3 Minuten weiterbraten. Die Bratzeit ist dabei von der Dicke der Filets abhängig und natürlich davon wie gar bzw. roh man seinen Fisch mag. Wir sind eher auf der “Nicht-so-roh-Seite”.

Die Suppe auf Teller geben, die Kabeljau-Filets in die Tellermitte setzen und alles mit den Gemüsestücken, dem Bacon sowie dem Fenchelgrün garnieren.

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Moussaka mit Lachs – Multikulti auf dem Teller

IMG_0454Was passiert, wenn die klassische griechische Moussaka auf norwegische Urlauber trifft, die sie mit nach Hause nehmen? Nun, zum Beispiel dies hier: Das im Original enthaltene Hackfleisch wird weggelassen und durch norwegischen Lachs, diesen wahrhaften Allrounder, ersetzt. Das “Multikulti-Ergebnis” steht dem Original übrigens in Nichts nach, was Geschmack oder Zubereitung anbelangt.

Apropos Zubereitung: Eine Moussaka benötigt ihre Zeit, allein schon das Bräunen der Auberginenscheiben ist nicht ganz unaufwändig und dann wartet man noch fast 1 Stunde, gequält von leckerem Duft, der dem Backofen entströmt, bis das Kunstwerk endlich fertig ist. Man sollte deshalb besser weder bereits sehr hungrig sein, noch sich in Zeitnot befinden, wenn man mit der Zubereitung beginnt.

Wählt man jedoch den Einsatz, zum Beispiel an einem grauen, nieseligen Herbstabend, wird man mit einem aromatischen, saftigen und wärmenden Verwöhnessen belohnt, das einen sofort von der Sonne Griechenlands und der Mitternachtssonne Norwegens träumen lässt. Und mal ehrlich, welches andere Essen schafft eine solche Traumkombination?

Moussaka mit Lachs für 3 Personen

Zutaten:

  • 500 g Lachs
  • 2 Auberginen
  • 2 mittelgroße Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3 Tomaten
  • ca. 1 dl Olivenöl
  • einige Stiele frische Kräuter, z. B. Thymian, Rosmarin oder Petersilie
  • 1,5 dl Sahne
  • 2 Eier
  • 0,5 dl Parmesan, gerieben
  • Salz
  • Pfeffer

Zubereitung:

Die Lachsfilets auftauen lassen und am besten noch im halb gefrorenen Zustand in Würfel schneiden, mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Auberginen waschen, den Stielansatz entfernen und das Fruchtfleisch in ca. 1/2 cm dicke Scheiben schneiden.

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und darin nacheinander die Auberginenscheiben bei relativ großer Hitze von beiden Seiten anbraten, bis sie gebräunt sind. Die Scheiben saugen dabei gern eine ganze Menge Öl auf, man muss ihnen jedoch nicht mehr gönnen, als unbedingt notwendig.

Die gebräunten Auberginenscheiben auf Küchenpapier legen, damit sie etwas von ihrer Öllast wieder loswerden. Mit Salz und Pfeffer kräftig würzen, sie vertragen mehr als man denken würde.

Zwiebeln und Knoblauchzehen schälen und fein hacken. Die Tomaten waschen, putzen und in nicht zu kleine Stücke schneiden. Die Kräuter ebenfalls waschen, trockenschütteln und zerkleinern.

Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen. Darin die Zwiebelstückchen anbraten, bis sie leicht gebräunt sind. Knoblauchzehen und Tomaten hinzufügen und alles für ca. 5 Minuten köcheln lassen. Dabei mit Salz und Pfeffer sowie den Kräutern würzen. Zum Schluss den Lachs untermischen. (Er muss dabei nicht gegart werden.)

Für die Sauce Sahne, Eier und geriebenen Parmesan verschlagen und mit Salz und Pfeffer würzen.

Eine Auflaufform mit etwas Öl auspinseln. Etwa die Hälfte der Auberginenscheiben auf dem Boden der Form verteilen. Danach die Tomaten-Lachs-Mischung einfüllen und alles mit den restlichen Auberginenscheiben belegen. Mit der Sahne-Käse-Sauce gleichmäßig übergießen.

Im vorgeheizten Backofen bei 180 °C (Ober- und Unterhitze) auf der mittleren Schiene für ca. 45 Minuten backen, bis die Sauce fest geworden und alles schön gebräunt ist.

Aus dem Herd nehmen und ca. 10 Minuten abkühlen lassen. Dadurch wird sie etwas fester und lässt sich leichter in Stücke teilen.

Zusammen mit einem griechischen Salat servieren und genießen.

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Heidelbeer-Haferflockensuppe

IMG_0134Und plötzlich ist es Herbst. Eines morgens wacht man auf, nach einer gewittersatten Nacht, und der Sommer ist verschwunden, einfach so über Nacht. Das grelle, helle Sommerlicht ist seinem diesigen, leicht nebligen Bruder gewichen, leichter Regen tropft, ansonsten ist es still, ganz still, keine Grille, die zirpt, kein Vogel, der zwitschert. Die Natur schweigt und lässt uns mit einer Sehnsucht nach der Sommerwärme zurück.

Genau dann, wenn einen dieses Gefühl überfällt, ist eine wärmende Heidelbeer-Haferflockensuppe angebracht. Der letzte Sommer hat sich in den süßen und saftigen Beeren gesammelt und liefert uns Vitamine, Antioxidantien und Mineralstoffe für einen guten Start in den Tag.

Heidelbeer-Haferflockensuppe für 1 Person

Zutaten:

  • 40 g kleinblättrige Haferflocken
  • 1 kleine Pr. Salz
  • 1 dl Milch
  • 1 dl Wasser
  • 75 g TK- oder frische Heidelbeeren
  • 75 g frische Heidelbeeren zum Garnieren

Zubereitung:

Heidelbeeren waschen und ggf. verlesen.

Haferflocken, Salz, Milch und Wasser in einem Topf mischen und unter gelegentlichem Rühren zum Kochen bringen. Für ca. 5 Minuten köcheln lassen, bis die gewünschte Konsistenz der Suppe erreicht ist.

Gegen Ende der Kochzeit 75 g der TK- oder frischen Heidelbeeren einrühren. Die violette Farbe erhält die Haferflockensuppe mit TK-Heidelbeeren.

Auf einen Teller geben und mit den frischen Heidelbeeren garnieren. Den stillen Morgen genießen und sich mit der letzten Sommerwärme anfüllen.

Dickmilch-Sahne Pudding mit Heidelbeeren

IMG_0047Die Heidelbeeren sind reif und was für Prachtexemplare das dieses Jahr sind. Die Wärme hat sie besonders süß und aromatisch werden lassen. Natürlich, ich weiß, die Waldheidelbeeren, speziell die am Femunden (großer norwegisch-schwedischer See) mit angrenzendem, ausgedehntem Wald und einem Naturschutzgebiet, sind die besten und schlagen die Kulturheidelbeeren in Geschmack und Antioxidantiengehalt. Trotzdem lohnt es sich eigene Heidelbeeren im Garten anzubauen, wenn man nicht an einem dieser “Heidelbeerwälder” wohnt.

Im Gegensatz zu z. B. Johannisbeeren oder Aronia schmecken sie pur und roh ganz hervorragend und eignen sich darüber hinaus für die Zubereitung von Kuchen, süßem Gebäck, Torten, Desserts, Marmelade, Blaubeersuppe, Pfannkuchen oder Crêpes, Smoothies und Frühstücksvariationen. Damit sind sie nicht nur gesunde, vitaminreiche Allrounder, sondern sie eignen sich auch als Zuckerersatz. Wer Heidelbeeren, z. B. in Desserts oder beim Frühstück verwendet kann den Zuckergehalt der Speisen deutlich reduzieren.

All dies kommt auch in dem folgenden, erfrischendem, fein säuerlichem und fruchtigem Dessert zum Tragen. Es besteht aus einem Dickmilch-Sahne Pudding, der mit Zitronen- und Limettensaft versetzt und einer frischen Sauce aus Heidelbeeren versehen wird. Die Sauce bleibt dabei ungekocht, damit alle Vitamine der aromatischen Beeren erhalten bleiben.

Der Dickmilchpudding mit Beerensauce (Him- oder Brombeeren eignen sich ebenfalls) ist als moderner Klassiker in der norwegischen Küche anzusiedeln, wobei der gut gekühlte, sommerliche Genuss von Dickmilch oder Dikmelk auch in Norddeutschland nicht unbekannt ist. Dort bin ich ihm jedoch eher als Dickmilch bestreut mit Zimt und Zucker begegnet.

Wenn ihr etwas Fruchtigeres ausprobieren wollt, können wir den folgenden Pudding mit Heidelbeersauce uneingeschränkt empfehlen. Ein wunderbares Sommerdessert, das eine angenehm kühlende Wirkung erzielt und sehr interessant schmeckt.

Dickmilch-Sahne Pudding mit Heidelbeeren für 4 – 6 Personen (4 große oder 6 kleinere Portionen)

Zutaten:

  • 2 dl Sahne
  • 1 Pck. Vanillezucker
  • 45 g Zucker
  • 2 EL Limettensaft
  • 2 EL Zitronensaft
  • Schale von 1 Bio-Zitrone
  • 2 Blätter Gelatine
  • 2,5 dl Dickmilch
  • 200 g Heidelbeeren + ca. 40 Beeren zwecks Garnierung
  • 1 Pck. Vanillezucker
  • 2 Pr. Sternanispulver
  • 1 EL Limettensaft
  • ca. 1/2 EL geraspelte weiße Schokolade

Zubereitung:

Zuerst den Pudding zubereiten, da dieser vor dem Verzehr mind. 4 Stunden im Kühlschrank zubringen sollte, um fest zu werden.

Die Gelatineplatten in einem Becher mit kaltem Wasser einweichen. Die Platten müssen dabei vollständig mit Wasser bedeckt sein.

Die Bio-Zitrone gut waschen und mit einem Zestenreißer die Schale dünn abschälen (nur das Gelbe verwenden, sonst wird es bitter).

In einem Topf Sahne, Vanillezucker, Zucker, Limetten- und Zitronensaft sowie die Zitronenschale verquirlen und alles unter Rühren zum Kochen bringen. Die Mischung für 5 -10 Minuten leicht köcheln lassen.

Danach alles durch ein Sieb abgießen, damit die Zitronenschale entfernt wird.

Die Gelatineplatten aus dem Wasser nehmen, gut ausdrücken und in den Pudding einrühren. Den Pudding etwas abkühlen lassen, ehe die Dickmilch hinzugefügt und gut untergeschlagen wird.

Nun die Masse in 4 große oder 6 kleine Dessertgläser oder Schalen füllen. Für mind. 4 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen.

IMG_0046Für die Heidelbeersauce kann man frische oder tiefgekühlte (vor der Verwendung auftauen lassen) Beeren verwenden. Die Beeren zusammen mit dem Limettensaft, Vanillezucker und Sternanis kurz pürieren, bis man eine etwas stückige Sauce erhalten hat.

Abschmecken und ggf. noch etwas mehr Sternanispulver hinzufügen. Die Sauce soll nicht direkt nach Sternanis schmecken, sondern nur eine interessante Note erhalten.

Kurz vor dem Verzehr die Heidelbeersauce auf den Pudding geben und mit den frischen Heidelbeeren sowie etwas geraspelter weißer Schokolade garnieren. Gekühlt genießen.

Zarte Heilbuttfilets in weißer Sauce mit Erbsen und Kartoffeln

IMG_9758Heilbutt, dieser riesige Plattfisch, der bis zu 3 Meter lang und mehrere hundert Kilo schwer werden kann, hat hervorragendes, zartes und wohlschmeckendes Fleisch, das gern in der skandinavischen Küche verwendet wird. Am besten schmeckt er freilich, wenn er noch nicht ganz so vollgefuttert ist und erst ca. 5 Kilo wiegt, sagt man. 

Die Zartheit der Filets bietet allerdings auch Herausforderungen bei der Zubereitung, zumindest wenn man es mit den hier üblicherweise zu kaufenden Filets ohne Haut zu tun bekommt. Das Fischfleisch ist in gegartem Zustand so weich, dass man beim Braten in der Pfanne aufpassen muss, damit es nicht beim Wenden zerfällt.

Deshalb finde ich es einfacher, diese Filets im Ofen zu backen, bei nicht zu hoher Temperatur, damit sie schön saftig bleiben und nicht austrocknen. Dann sind sie ein wirklicher Hochgenuss, der durch eine traditionell norwegische, fein säuerliche, weiße Fischsauce perfekt ergänzt wird.

Beim Zubehör haben wir dieses Mal klassisch gewählt und sind damit bei gekochten Kartoffeln und Erbsen gelandet. Anderes Gemüse passt jedoch sicher ebenfalls sehr gut zu diesem Fischessen.

Zarte Heilbuttfilets in weißer Sauce mit Erbsen und Kartoffeln für 3 Personen

Zutaten Heilbuttfilets:

  • 500g Heilbuttfilets ohne Haut
  • Salz
  • Pfeffer
  • Saft von 1/2 Limette
  • Olivenöl
  • ca. 1/2 EL frischer Rosmarin, gehackt

Zutaten weiße Sauce:

  • 3 Perlzwiebeln
  • 1,5 dl trockener Weißwein
  • 1,5 dl guter Fischfond
  • 75 ml Sahne
  • 50 g Butter
  • Salz
  • Pfeffer
  • ca. 2 Pr. Zucker (je nach Säure des Weins)
  • frische Petersilie
  • frischer Dill

Zutaten Zubehör:

  • 450 g Erbsen
  • etwas Gemüsebrühe
  • Salz
  • Pfeffer
  • frische Petersilie
  • Kartoffeln, geschält und halbiert
  • Salz für das Kochwasser

Zubereitung:

Die Heilbuttfilets vor der Verwendung vollständig auftauen lassen. Die Filets vorsichtig mit Küchenpapier abtrocknen und von beiden Seiten salzen und pfeffern sowie mit Olivenöl und dem Limettensaft einstreichen. Zum Schluss mit dem fein gehackten Rosmarin bestreuen.

Die Filets in eine mit Olivenöl ausgestrichene feuerfeste Form legen und im vorgeheizten Backofen bei 120 °C (Ober- und Unterhitze) auf der mittleren Schiene für 10 – 20 Minuten backen. Die Backzeit ist abhängig von der Dicke der Filets. Die Filets sind fertig, wenn sie auf leichten Druck hin, beginnen sich in ihre Segmente aufzutrennen. Das sollte man regelmäßig prüfen, bäckt man die Filets zu lang, zerfallen sie beim Herausnehmen.

Für die Sauce die Perlzwiebeln schälen und fein hacken. Etwas Butter in einer Pfanne erhitzen. Darin die Zwiebeln bei mittlerer Hitze glasig anbraten. Mit dem Weißwein ablöschen und diesen einkochen lassen, bis die Pfanne fast trocken ist.

Fischfond und Sahne hinzufügen und die Sauce erneut reduzieren bis auf ca. 1,2 dl. Nun die Sauce von der Kochplatte nehmen und die Butter einrühren. Mit Salz, Pfeffer und ggf. etwas Zucker abschmecken. Bis zum Verzehr warm stellen, jedoch nicht mehr kochen. Kurz vor dem Servieren die frischen, fein gehackten Kräuter in die Sauce geben.

Die Erbsen in etwas Gemüsebrühe, ggf. noch etwas Salz und Pfeffer zufügen, aufkochen und für ca. 2 Minuten köcheln lassen. Die Erbsen mit einer Schaumkelle aus der Gemüsebrühe nehmen und vor dem Servieren mit etwas frischer, gehackter Petersilie bestreuen.

Kartoffeln schälen, halbieren und in Salzwasser für ca. 20 Minuten kochen, bis sie gar sind.

Die Heilbuttfilets auf Tellern anrichten, mit der Sauce begießen und zusammen mit den Kartoffeln und Erbsen genießen.

Norwegische Rosinenbrötchen, natürlich mit Kardamom

IMG_9710Große, saftige und luftig lockere Rosinenbrötchen mit ihrem typischen, norwegischen Geschmack nach Kardamom – wer würde da nicht gern zubeißen? Egal ob Kindergeburtstag, Abschlussfest vom Sportverein, Ausflug, Bootstour oder Wanderung, die Rosinenbrötchen kommen immer gut an. Sie krümeln so gut wie nicht, man bekommt keine klebrigen Hände und sie sind gut im Rucksack einpackbar. Kurz gesagt geben sie einen ausgezeichneten Reisebegleiter ab. Natürlich spricht nichts dagegen, sie zu Hause zum Frühstück oder zum Kaffee im Garten zu genießen.

Ganz zum Schluss noch der Hinweis für alle “Kardamomnichtmöger”, man kann ihn auch einfach weglassen, nur sind es dann keine norwegischen Rosinenbrötchen mehr.

Norwegische Rosinenbrötchen (12 große Brötchen)

Zutaten:

  • 500 g Weizenmehl (550)
  • ca. 3 dl Milch (zimmerwarm)
  • 12 g Frischhefe
  • 70 g Zucker
  • 1 TL Kardamom, gemahlen
  • 1/2 – 3/4 TL Salz
  • 1 Ei (Größe M)
  • 75 g Butter
  • 150 g Rosinen
  • 1 Ei zum Bestreichen

Zubereitung:

Für den Teig das Mehl mit den weiteren Zutaten mit Ausnahme der Butter und 1/2 dl Milch in einer Schüssel vermischen. Den Teig nun von Hand ca. 10 Minuten kneten, dabei ggf. die restliche Milch zugeben, um einen relativ weichen Teig zu erhalten.

Die Butter in kleine Stückchen schneiden und auf dem Teig verteilen. Nun die Butter für weitere ca. 10 Minuten in den Teig einkneten. Die Rosinen hinzufügen und für ca. 2 Minuten einkneten, bis sie relativ gleichmäßig im Teig verteilt sind.

IMG_1854Teig vor der Gare, hier: doppelte Menge des Rezeptes

Nun den Teig mit etwas Mehl bestäubt, abgedeckt in einer Schüssel an einem warmen Ort (24 °C) für ca. 1,5 Stunden gehen lassen. Dabei sollte sich das Teigvolumen ungefähr verdoppeln. Je kälter die Temperatur, um so länger benötigt der Teig zum Aufgehen, daher sollte man ihm mehr Zeit lassen, wenn man die 24 °C nicht erreichen kann.

IMG_1858Teig nach der Gare, hier: doppelte Menge des Rezeptes

Danach den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche kurz ausstoßen und in 12 gleich große (ca. 95 g) Stücke teilen. Die Teigstücke rundschleifen und mit einem Tuch abgedeckt erneut für 30 – 45 Minuten gehen lassen, bis sie ihr Volumen deutlich vergrößert haben.

Unmittelbar vor dem Backen die Teiglinge mit dem verquirlten Ei bestreichen.

Die Brötchen im gut vorgeheizten Backofen bei 225 °C (Ober- und Unterhitze) auf der mittleren Schiene für ca. 12 Minuten backen, bis sie eine schöne braune Färbung auf der Oberseite angenommen haben. Die Brötchen auf einem Rost unabgedeckt auskühlen lassen.

Rhabarber überbacken mit Kokosmasse

IMG_9558Der Rhabarber wächst und gedeiht, zumindest im Nachbargarten, was dem Besitzer gar nicht unbedingt nur gefällt. So meinte er neulich, was soll ich denn noch alles mit diesem Rhabarber anfangen? Kompott und Kuchen und Marmelade haben wir alles schon gegessen, wisst ihr nicht noch ein neues Rezept? Ja, wusste ich.

Schon lange hatte ich ein bereits etwas in die Jahre gekommenes norwegisches Dessertrezept ausprobieren wollen. Rhabarber mit Kokosmasse überbacken hört sich nämlich für mich nach einer genauso guten Kombination an wie Rhabarber und Vanillesauce. Und es stimmt, es ist eine leckere Verbindung, die süß, saftig, säuerlich und gleichzeitig angenehm mild schmeckt, da die Kokosmasse die Rhabarberschärfe mildert.

Schnell und unkompliziert hergestellt ist das Dessert ebenfalls, was es noch perfekter für den Frühsommer macht. Schließlich wollen wir doch alle den Sonnenschein maximal ausnutzen, oder? Gegessen werden kann das Dessert lauwarm und pur. Mit einer Kugel Vanilleeis ergänzt, erhält man einen richtig luxoriösen Sommergenuss, der auch den Wochenendkuchen ohne Probleme ersetzen kann.

Rhabarber überbacken mit Kokosmasse für 6 Personen als Dessert (Pieform ø 24 cm)

Zutaten:

  • ca. 350 g Rhabarber (geputzt gewogen)
  • 1 dl Zucker
  • knapp 2 EL Kartoffelstärke
  • 2,5 EL Butter + etwas Butter zum Fetten der Form
  • 2,5 dl Kokosflocken
  • 1 Ei (Größe L)
  • 1/2 dl Staubzucker

Zubereitung:

Den Rhabarber waschen, dünn schälen und in Stücke schneiden. Die Stücke nebeneinander in eine leicht mit Butter gefettete Pie- oder Auflaufform legen.

Zucker und Kartoffelmehl vermischen und gleichmäßig über den Rhabarber streuen. Das Kartoffelmehl bindet die beim Backen entstehende Flüssigkeit des Rhabarbers, so dass das Dessert fast wie ein Kuchen wird.

Die Butter in einem Topf zerlassen, jedoch nicht bräunen. Kokosflocken unter die Butter mischen.

Ei und Staubzucker luftig aufschlagen, bis die Masse weiß geworden ist. Die Kokosmasse unterheben. Nun alles auf dem Rhabarber verteilen.

Im vorgeheizten Backofen mit 190 °C (Ober- und Unterhitze) auf der mittleren Schiene für 15 – 18 Minuten backen, bis die Kokosmasse etwas gebräunt ist.

Das Dessert lauwarm genießen, entweder pur oder mit z. B. einer Kugel Vanilleeis.

Luftige Windbeutel mit Heidelbeeren und Sahne

IMG_9420Windbeutel – allein der Name fasziniert! In knusprigem Teig eingefangener Frühlingswind. Oder Sommerwind. Wie wohl diese viele Luft in die Beutel kommt? Werden sie ausgehöhlt oder vielleicht nach dem Backen aufgeblasen? Das waren die Fragen, die ich als Kind hatte, wenn aus ganz seltenem Anlass Windbeutel vom Bäcker den Weg zu uns nach Hause fanden. Durch intensives Bitten brachte ich dann meine Mutter zu einem Nachbackversuch, der jedoch leider nicht den gewünschten Erfolg zeigte. Der Wind ließ sich eben mit dem damals verwendeten Rezept doch nicht so einfach einfangen.

Später, als Student, entdeckte ich dann an einem grauen Winterabend in meinem norwegischen Grundkochbuch ein wunderschönes Foto von einem Gebäck, das mit “vannbakkels” (Wassergebackenes) bezeichnet war. Auch davon war ich beeindruckt, hielt jedoch die Zubereitung für so weit jenseits meines Könnens, dass ich nicht einmal das Rezept durchgelesen habe. Sonst wäre mir nämlich (ganz eventuell) nicht erst nach Jahren aufgefallen, dass vannbakkels gleich Windbeutel sind. Fast jedenfalls.

Es gibt einen bedeutenden Unterschied zu den alten DDR-Backbuchrezepten. Für die norwegischen Windbeutel wird keine Milch verwendet, stattdessen jedoch der Butteranteil erhöht. Dadurch klumpt der Teig beim Zusammenrühren nicht. Außerdem ist er sehr schön stabil beim weiteren Verarbeiten.

Mit dem langen Pfingstwochenende direkt vor unserer Tür, lag es also nahe, dass theoretisch Gelernte in die Praxis umzusetzen. Zugegeben, ich war etwas nervös und hatte immer noch riesigen Respekt vor diesem als kompliziert in meinem Gehirn gespeicherten Gebäck. Dabei alles unnötig, mit diesem Rezept ist es überhaupt nicht schwierig, den Wind im Beutel einzufangen. So was.

Man erhält wunderbar buttrige Beutel, die innen luftig, außen zart knusprig sind und um ein Vielfaches besser schmecken, als die tiefgefrorenen pappig weichen und übersüßen Exemplare aus dem Supermarkt. Wer sie überhaupt nicht süß mag, kann sie natürlich auch mit einer herzhaften Creme füllen und zum Abendbrot oder Brunch servieren.

Luftige Windbeutel mit Heidelbeeren und Sahne (ca. 12 mittelgroße Stück)

Zutaten Windbeutel:

  • 200 g Wasser
  • 100 g Butter
  • 100 g Mehl
  • 1 Pr. Salz
  • 2,5 – 3 Eier (Größe M)

Zutaten Füllung:

  • 200 g Heidelbeeren (frisch oder TK)
  • 250 ml Sahne
  • ca. 30 g Zucker
  • Staubzucker zum Bestäuben der Beutel

Zubereitung:

Wasser und Butter in einem Topf aufkochen. Den Topf von der Herdplatte nehmen und Mehl sowie Salz hinzufügen. Den Topf zurück auf die Herdplatte setzen und den Teig bei verhältnismäßig hoher Hitze kräftig rühren. Achtung: Es darf trotzdem nichts anbrennen!

So lange intensiv rühren, bis der Teig eindickt und zu einer Art Kloß wird, der sich von den Topfwänden löst. Zieht man den Topf zu zeitig von der Platte, erhält man einen zu flüssigen Teig, der sich nicht zu Windbeuteln spritzen lässt.

Den Teig etwas abkühlen lassen. Die Eier nun eins nach dem anderen gründlich in den Teig einrühren. Das geht am Einfachsten mit einem Handrührgerät. Beim letzten Ei aufpassen. Der Teig darf nicht zu dünnflüssig werden, sondern sollte wie dickflüssiger Rührkuchenteig sein. Deshalb das letzte Ei verschlagen und schluckweise zum Teig geben. Unser Teig war nach 2,5 Eier perfekt.

Den Teig nun in einen Spritzbeutel füllen und 12 milchbrötchengroße Häufchen mit deutlichem Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech spritzen.

Die Windbeutel im vorgeheizten Backofen bei 200 °C (Ober- und Unterhitze) auf der mittleren Schiene für ca. 40 – 50 Minuten backen. Sie sollen außen goldbraun werden. Achtung! Das Öffnen der Ofentür während des Backens, führt zum Zusammenfallen der Beutel. Die Backzeit hängt stark von der Größe der Windbeutel ab. Unsere entsprachen ungefähr Milchbrötchen. IMG_9408

Nach dem Abkühlen mit einem scharfen Messer vorsichtig einen kleinen Deckel abschneiden, so dass das hohle Innere der Beutel zum Vorschein kommt.IMG_9418

Für die Füllung die Sahne mit dem Zucker steif schlagen. Beeren und Sahne in die Windbeutel füllen. Den Deckel wieder darauf setzen und alles mit Staubzucker bestäuben. Frisch gefüllt sofort servieren, damit der Teig nicht aufweicht.

Ungefüllt lassen sich die Windbeutel übrigens gut einfrosten.

Voila! Schwierig? Nicht wirklich, oder? Dafür jedoch unglaublich lecker. Habt schöne Pfingsten!

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Historisch norwegisch: Kalbfleischtopf mit Zitronen, Anchovis und Oliven

IMG_9472Wir bleiben noch ein bisschen in der historischen Ecke und bei den norwegischen Rezepten anno 1800. (Mehr zum Hintergrund kann man hier oder hier lesen oder direkt im norwegischen Blog des Riksarkivets hier).

Heute gibt es ein “Freckadour” – sehr lustiger Name, der jedoch wohl eher auf einen Schreibfehler des französischen Fricandeau zurückzuführen ist. Das meinten auf jeden Fall die norwegischen Archivare. Mit Fricandeau bezeichnet man demnach Gerichte, die aus dünnen (Kalb-)fleischscheiben oder festem Fisch bestehen und in reichlich Flüssigkeit gekocht werden.

In der Zubereitung scheint damit auch eine Verwandtschaft zum Boeuf Bourguignon zu bestehen, wobei die historische Variante mit nur drei Gewürzen (Salz, Pfeffer, Muskatnuss) auskommen muss. Dafür erhält sie u. a. Zitronenscheiben, Oliven und Anchovis. Letztere zerkochen beim Garen und geben der Brühe einen unvergleichlich interessanten Geschmack, der hervorragend mit der leicht säuerlichen Zitronennote harmoniert. Das Fleisch wird während des Kochens herrlich zart, saftig und aromatisch. Ein rundherum schönes historisches Rezept, auch wenn es rein optisch jetzt nicht so viel hermacht.

Historisch norwegisch: Kalbfleischtopf mit Zitronen, Anchovis und Oliven für 4 Personen

Zutaten:

  • 600 g Kalb- oder Rindfleisch (Unterschale oder gulaschgeeignetes Fleisch)
  • Salz
  • Pfeffer
  • Mehl
  • ca. 2 EL Butterschmalz zum Anbraten
  • 4 Scheiben American Bacon (Original: ca. 100 g Speck)
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • ca. 1 dl entsteinte Oliven (wir hatten grüne)
  • ca. 1/2 dl Anchovisfilets in Salzlake (ohne Lake verwenden)
  • 3 Scheiben einer Bio-Zitrone
  • 2 dl trockener, kräftiger Rotwein
  • 2 – 3 dl gute Rinderbrühe
  • 1/4 – 1/2 TL geriebene Muskatnuss

Zubereitung:

Das Fleisch* zunächst quer zur Fleischfaser in relativ dünne Scheiben schneiden (ca. 1,5 cm dick), danach leicht klopfen bzw. mit einem schweren Küchenmesser eher platt drücken und dann in Stücke schneiden. Mit Salz und Pfeffer würzen, danach in Mehl wälzen.

Zwiebel schälen und grob hacken. Die Bio-Zitrone gut waschen und 3 Scheiben abschneiden. Die Scheiben vierteln. Die Anchovisfilets ohne Lake verwenden. Wenn sie sehr salzig sind, unter fließendem Wasser kurz abspülen, danach in Stücke schneiden. Oliven halbieren.

Auf dem Herd eine große Pfanne und einen Fleischtopf bereitstellen.

In der Pfanne den in Stücke gerissenen Bacon anbraten, bis er gebräunt ist. Den Speck danach in den Fleischtopf geben.

Etwa 1 EL Butterschmalz in der Pfanne erhitzen und das Fleisch darin anbraten, bis es von allen Seiten schön gebräunt ist. Dafür ist es wichtig, dass alle Fleischstücke mit dem Pfannenboden in Berührung kommen. Deshalb am besten in 2 oder 3 Durchgängen braten. Das Fleisch nach dem Braten in den Fleischtopf umfüllen.

Zwischen den Bratdurchgängen die Pfanne mit etwas Rotwein “deglasieren”, d.h. auskochen. Dazu den Wein in die heiße Pfanne gießen, alles einmal aufkochen und währenddessen mit einem Pfannenwender den Pfannenboden abschaben. Dadurch nimmt der Wein die Röstaromen des Fleischanbratens auf. Den Rotwein danach in den Fleischtopf umgießen.

Den restlichen Rotwein sowie die Fleischbrühe in den Topf gießen, bis das Fleisch knapp bedeckt ist. Zwiebel, Anchovis, Zitrone und Oliven hinzufügen. Mit geriebener Muskatnuss würzen. Ab jetzt alles je nach Fleischqualität für 30 Minuten (das stand im Originalrezept, da war unser Fleisch jedoch noch hart) bis 2 Stunden abgedeckt vor sich hin köcheln lassen. Das Fleisch ist fertig, wenn es zart und weich ist.

Mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft und Muskatnuss abschmecken. Zum Servieren einige Zitronenscheiben hinzufügen.

Der Rindfleischtopf lässt sich sehr gut bereits am Tag vor dem Verzehr zubereiten, er wird beim Durchziehen nur besser.

Da im historischen Kochbuch nichts zum Zubehör stand, haben wir uns wahrscheinlich vollständig unhistorisch für Kartoffeln und ein Möhren-Kohlrabi-Gemüse entschieden. Für uns hat das sehr gut zusammengepasst, auch wenn 1750 die Kartoffel in Norwegen noch weitgehend unbekannt war. Vielleicht aß man flatbrød (eine Art dünnes Knäckebrot) oder anderes Brot dazu.

*Im Originalrezept stand, dass das Fleisch zunächst mit dem Speck gespickt werden sollte. Diesen Schritt habe ich jedoch weggelassen und stattdessen etwas American Bacon knusprig angebraten (faule moderne Küche :-)). 

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Historischer norwegischer Zitronentrunk

IMG_9486Historische Rezepte, also richtig alte Kochanweisungen, üben auf mich einen besonderen Reiz aus. Wäre es nicht toll zu wissen, was unsere Urururgroßeltern so gegessen haben? Ich habe deshalb schon mal unseren ganzen Boden, auf dem viele Bücher lagern, durchstöbert in der Hoffnung ein möglichst altes Kochbuchexemplar zu finden. Leider erfolglos, dabei bin ich mir fast sicher, dass meine Urgroßmutter auch ein Heftchen besessen haben muss, in dem sie einiges aus ihrer Küche notiert hat. Schade, dass es wohl irgendwie verschwunden ist.

Deshalb kann ich gut verstehen, welche Begeisterung sich im norwegischen Riksarkivet (Staatsarchiv) breit gemacht haben muss, als sie auf ein altes handgeschriebenes Büchlein mit Rezepten gestoßen sind, die ungefähr aus dem Zeitraum zwischen 1750 und 1820 stammen. Spannend, auch wenn es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Rezepte aus einem wohlsituierten Haushalt handelt, die für besondere Anlässe zubereitet wurden. Alltagsrezepte hätte man wohl kaum aufgeschrieben.

Damit nun alle etwas von dem Fund hatten, haben die Archivare einen Blog gegründet, in dem sie die Rezepte veröffentlich haben. Natürlich nicht, ohne sie vorher auszuprobieren und, wenn notwendig, etwas an heutige Verhältnisse anzupassen.

Mich hatte als erstes dieser Zitronentrunk (im Original als “Citron Suppe” bezeichnet) richtig neugierig werden lassen. Eine Art Zitronenlimo musste doch auch vor reichlich 200 Jahren ähnlich wie heute hergestellt werden, oder? Nicht ganz, es kamen Eier mit hinein. Skeptisch? Ja, war ich auch. Gerinnt nicht das Eiweiß und wird das Ei beim Kochen nicht fest oder bildet Klümpchen? Nein, es geschieht nichts dergleichen. Stattdessen wird die Säure der Zitronen angenehm abgemildert, während der Kardamom der Suppe eine interessante, irgendwie typisch norwegische, Note verleiht.

Unklar bleibt allerdings, ob die Altvorderen die “Citron Suppe” kühl oder warm gegessen oder getrunken haben. Auch ist nicht klar, welche Rolle der Zucker in diesem Rezept spielt. Im Original steht nichts davon. Er könnte natürlich beim Aufschreiben einfach vergessen worden sein oder seine Zugabe wurde für so selbstverständlich gehalten, dass er nicht aufgeschrieben wurde. Dafür würde auch sprechen, dass solche Grundzutaten in den seltensten Fällen abgemessen oder gar -gewogen wurden, vielmehr dosierte man nach Gefühl. Als letzte Alternative kann es natürlich auch möglich gewesen sein, dass man die Suppe quietschesauer gegessen hat, wer weiß. Vielleicht wollte man damit das Besondere der exotischen Zitronen herausstellen.

Für uns bleiben Fragezeichen bestehen und damit ein gewisser Interpretationsspielraum. In diesem haben wir uns entschieden, dass sich die Zutaten wie eine historische Zitronenlimonade lesen, weshalb wir den norwegischen Archivaren gefolgt sind und deshalb eine Variante mit Zucker gewählt sowie die Suppe gekühlt serviert haben.

Fazit: Wir wissen, was es beim nächsten Sommerfest als Begrüßungsdrink geben wird. Genau diesen Zitronentrunk. Ich freu mich jetzt schon darauf.

Historischer norwegischer Zitronentrunk (ca. 8 dl)

Zutaten:

  • Schale von 1 großen Bio-Zitrone
  • Saft von 4 Bio-Zitronen
  • 3,3 dl Wasser
  • 1 dl Zucker (fehlt im Originalrezept)
  • 2 Eier
  • 1/2 leicht gehäufter TL gemahlener Kardamom
  • 3,3 dl Weißwein (im Original von ca. 1750 stand Rheinwein)

Zubereitung:

Die Bio-Zitrone gut waschen, danach mit einem Zestenreißer abschälen. Den Saft von allen 4 Zitronen auspressen. Alle Zutaten in einem Topf miteinander vermischen.

Unter ständigem, kräftigem Rühren bis kurz vor dem Kochpunkt erhitzen. Dabei dickt der Trunk ganz leicht ein. Abschmecken und evtl. noch etwas Kardamom ergänzen.

Alternativ könnte ich mir vorstellen, dass man den Wein erst nach dem Erhitzen des Trunks zusetzen kann, wenn man auf den Alkoholgehalt Wert legt. Das bliebe bei nächster Gelegenheit noch einmal auszuprobieren.

Danach unter gelegentlichem Rühren abkühlen lassen. Wenn es schnell gehen sollen, den Topf am besten in ein Wasserbad mit eiskaltem Wasser setzen.

Den Trunk durch ein Sieb gießen und dabei in eine Karaffe umfüllen. Bis zum Servieren kühl (modern: im Kühlschrank) aufbewahren.