“Wiener Schnitzel” nach sowjetischer Art

IMG_5639Zu diesem Essen gibt es eine schon oft und trotzdem immer wieder gern erzählte Geschichte in unserer Familie. Sie berichtet von der ersten großen Reise meiner Eltern in die damalige Sowjetunion, 1959. Sie reisten 3 Wochen mit Jugendtourist von Moskau zum Schwarzen Meer und nach Kiew, alles mit dem Zug. Wie damals bei diesen Reisen üblich, war in den jeweiligen Unterkünften für Vollverpflegung gesorgt, mehr oder weniger landestypisch natürlich, was interessant ist und zu so einer Reise dazugehört. Allerdings schien die Sowjetunion gerade einen Hackfleischüberschuss zu haben, jedenfalls gab es mittags oder abends, mitunter sogar zum Frühstück ziemlich grobes, z. T. mit Sehnenstücken durchsetztes, Hackfleisch, Tag für Tag von Moskau bis ans Schwarze Meer nichts als Hackfleisch. Die Freude war daher groß, als sie fast am Ende ihrer Reise in Kiew angekommen, feststellten, dass auf dem Speiseplan “Wiener Schnitzel” angeschrieben stand – toll, endlich einmal etwas anderes zu essen. Das was die vor ihnen in der Essensschlange stehenden auf ihre Teller bekamen, sah vielversprechend aus. Das Fleischstück auf den eigenen Tellern bestand die äußerliche Begutachtung mit Bravour – es schien sich tatsächlich um ein richtiges Schnitzel zu handeln. Mein Vater setzte erwartungsfroh den ersten Schnitt, das Fleisch präsentierte sich eigentümlich weich. Etwas misstrauisch folgte die Geschmacksprobe und tatsächlich, es war schon wieder HACKFLEISCH – dieses mal eben nur paniert und mit der Bezeichnung “Wiener Schnitzel” versehen.

Als wir vor kurzem bei einem Familientreffen wieder einmal auf diese Geschichte zu sprechen kamen, beschlossen wir spontan das “Wiener Schnitzel” nach sowjetischer Art für das nächste Familienessen nachzukochen. An die Beilagen konnte sich leider keiner mehr erinnern, außer, dass es wahrscheinlich Weißkraut und saure Sahne gegeben hatte. Da es uns jedoch hauptsächlich um das Schnitzel ging, haben wir improvisiert. Und was soll ich sagen, es schmeckt gut, lässt sich sogar viel besser als erwartet beim Panieren und in der Pfanne handhaben, es sieht täuschend echt aus, das Hackfleisch im Inneren bleibt sehr schön saftig, warum nur haben wir das nicht eher schon mal ausprobiert? Fazit: Das Hackfleisch zu panieren, ist überhaupt keine schlechte Idee, wenn man ordentliches Hackfleisch benutzt und es nicht täglich essen soll.

“Wiener Schnitzel” nach sowjetischer Art für 3 Personen

Zutaten “Wiener Schnitzel”: IMG_5636

  • 500 g Hackfleisch
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 Toastbrotscheiben
  • 1 großes Ei
  • 1 TL Apfelmeerrettich
  • ca. 1 TL Senf, mittelscharf
  • ca. 1 gehäufter TL Kümmel
  • ca. 1/2 TL Salz
  • ca. 1/4 TL schwarzer Pfeffer
  • Mehl
  • 1 großes Ei
  • Semmelbrösel
  • Rapsöl

Zutaten Beilagen:

  • Kartoffeln für 3 Personen
  • ca. 400 g grüne Bohnen (TK oder frisch)
  • 1 kleine Zwiebel
  • Salz
  • Pfeffer
  • etwas gemahlener Kümmel
  • ca. 2 TL Bohnenkrautblättchen (TK oder frisch)
  • etwas Mehl
  • Salz
  • Pfeffer
  • ca. 1 EL Kaffeesahne

Zubereitung:

Für die “Wiener Schnitzel” Zwiebel und Knoblauchzehe schälen und in kleine Stückchen schneiden. Das Toastbrot in Wasser einweichen. Das eingeweichte Brot gut ausdrücken und zusammen mit dem Ei, der Zwiebel, dem Knoblauch sowie den Gewürzen zum Hackfleisch geben. Alles gut vermengen und abschmecken, ggf. schärfer würzen.

Nun aus der Hackfleischmasse 3 – 5 flache schnitzelartige Gebilde formen. Zum Panieren auf je einen Teller Mehl, verschlagenes Ei und Semmelbrösel geben. Die “Schnitzel” nacheinander in Mehl, Ei und Semmelbrösel vorsichtig wenden.

In einer großen Pfanne nicht zu wenig Öl erhitzen und die Schnitzel darin von beiden Seiten bei mittlerer Hitze, insgesamt 12 – 15 Minuten braten, bis sie eine schöne goldbraune Färbung angenommen haben und durchgegart sind.

Für die Herstellung der Sauce das Bratöl mit dem Bohnenkochwasser aufgießen. Etwas Mehl in kaltem Wasser verquirlen, und die Sauce damit andicken. Alles einmal aufkochen lassen und mit Salz und Pfeffer abschmecken, zum Schluss die Kaffeesahne hinzugeben. Dies ist eine sehr einfache Sauce, man kann diese natürlich gewürztechnisch verfeinern. Ich habe mich jedoch für diese Variante entschieden, um dem damaligen Geschmackserlebnis eher nahe zu kommen.

Für die Beilagen, Kartoffeln schälen, ggf. halbieren und in Salzwasser gar kochen. Das dauert, abhängig von der Größe der Kartoffelstücke, ca. 20 Minuten.

Die Zwiebel schälen und in kleine Stücke schneiden. In einem Topf Wasser zum Kochen bringen, mit Salz, Pfeffer, Bohnenkraut (nur die Blättchen) und dem Kümmel würzen. Die Bohnen darin zusammen mit den Zwiebelstückchen ca. 8 – 10 Minuten kochen lassen. Bei Verwendung von frischen Bohnen erhöht sich die Kochzeit auf ca. 12 Minuten.

Viel Spaß beim Nachkochen und vielleicht fallen euch dabei auch ähnliche Erlebnisse ein.

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